Eine Patientin sagte mir vor einiger Zeit einen Satz, der mir im Gedächtnis geblieben ist: Ich habe das Gefühl, ich heirate immer denselben Menschen, nur mit einem anderen Gesicht. Das ist natürlich zugespitzt formuliert, trifft aber etwas sehr Reales. Viele Menschen erleben in unterschiedlichen Beziehungen – Partnerschaften, Freundschaften, manchmal auch im Beruf – ähnliche Konflikte, die sich wie eine Wiederholung anfühlen. Der Auslöser wechselt, das Muster bleibt.

Warum sich Muster wiederholen

Solche Wiederholungen haben selten mit Pech zu tun. Sie entstehen meist aus frühen Beziehungserfahrungen, oft aus der Kindheit, die ein bestimmtes Grundgefühl geprägt haben: verlassen zu werden, nicht gesehen zu werden, sich anpassen zu müssen, um geliebt zu werden. Dieses Grundgefühl wirkt wie eine Linse, durch die spätere Beziehungen wahrgenommen werden. Man reagiert dann nicht ausschließlich auf die aktuelle Situation, sondern auch auf etwas, das viel älter ist als die Person, die gerade vor einem steht.

Das erklärt, warum ein neuer Partner, eine neue Freundin manchmal schon nach kurzer Zeit in eine vertraute Rolle gedrängt wird – ohne dass irgendjemand das bewusst so entscheidet. Die Dynamik entsteht automatisch, weil sie einem inneren Drehbuch folgt.

Warum die Einzeltherapie oft der richtige erste Schritt ist

Wenn Paare mit wiederkehrenden Konflikten zu mir kommen, stellt sich häufig heraus, dass zumindest ein Teil des Musters aus der individuellen Geschichte eines der beiden Partner stammt. Eine Paartherapie kann helfen, akute Kommunikation zu verbessern. Sie erreicht aber nicht immer die Tiefe, in der solche Muster verwurzelt sind. In der Einzeltherapie lässt sich dagegen in Ruhe erforschen, woher eine bestimmte Reaktion eigentlich kommt – ohne dass der Partner oder die Partnerin währenddessen im Raum sitzt und mitbewertet.

Diese Ruhe verändert etwas. Menschen erlauben sich in der Einzelsitzung oft Gedanken, die sie im Beisein des Partners nicht aussprechen würden, aus Angst zu verletzen oder missverstanden zu werden. Genau dort setzt die Arbeit an.

Vom Erkennen zum Verändern

Ein Muster zu erkennen ist der erste, aber nicht der letzte Schritt. Ich arbeite mit meinen Patientinnen und Patienten daran, die Situationen zu identifizieren, in denen das alte Drehbuch anspringt, und dort bewusst eine andere Reaktion zu erproben. Das gelingt selten beim ersten Versuch. Ein Muster, das über Jahrzehnte trainiert wurde, verändert sich nicht in wenigen Wochen. Aber jede bewusst durchbrochene Situation schwächt die Automatik ein Stück weiter ab.

Was ich dabei immer wieder beobachte: Sobald jemand versteht, dass die eigene Reaktion nicht in erster Linie mit dem aktuellen Gegenüber zu tun hat, verändert sich auch der Ton, in dem über die Beziehung gesprochen wird. Aus Vorwurf wird Neugier. Aus Vorwurf gegen sich selbst wird manchmal auch Nachsicht. Das allein entlastet schon viele Beziehungen, bevor überhaupt eine gemeinsame Sitzung stattfindet.

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