Wenn eine EMDR- oder Traumatherapie sich dem Abschluss nähert, ist das ein Moment, den ich mit meinen Patienten immer bewusst gestalte. Viele sind erleichtert, manche aber auch unsicher. Die wöchentlichen Termine haben über Monate hinweg einen festen Rahmen gegeben. Ohne diesen Rahmen stellt sich die Frage: Trägt das Erreichte auch im normalen Alltag, wenn niemand mehr regelmäßig nachfragt, wie es einem geht?

Der Abschluss der Therapie ist nicht das Ende der Arbeit

Traumaverarbeitung endet nicht mit der letzten Sitzung. Was in der Therapie an neuronaler und emotionaler Neuordnung stattgefunden hat, muss sich im echten Leben erst noch bewähren. Das ist auch völlig normal so. Ich bereite Patienten deshalb schon einige Sitzungen vor dem eigentlichen Abschluss darauf vor, welche Situationen im Alltag herausfordernd werden könnten, und wir überlegen gemeinsam, wie damit umgegangen werden kann.

Trigger erkennen, bevor sie greifen

Ein zentraler Baustein ist das Wissen um die eigenen Auslöser. Bestimmte Geräusche, Orte, Jahreszeiten oder auch zwischenmenschliche Situationen können auch nach erfolgreicher Behandlung noch eine Reaktion auslösen. Der Unterschied zu vorher liegt darin, dass diese Reaktion nicht mehr überwältigend sein muss. Wer seine Trigger kennt, kann sich vorbereiten, statt von der Reaktion überrascht zu werden. In der Praxis erarbeiten wir dafür meist eine kurze, persönliche Liste: Was löst etwas aus, und was hat bisher geholfen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen?

Kleine Routinen mit großer Wirkung

Ein paar Atemzüge bewusst zu setzen oder kurz vor die Tür zu gehen – solche Routinen wirken banal, sind aber oft der Unterschied zwischen einer Situation, die überstanden wird, und einer, die aus der Bahn wirft. Wichtig ist, dass diese Routinen schon vor Belastungssituationen eingeübt wurden und nicht erst in dem Moment neu erfunden werden müssen, in dem es eng wird.

Feste Ankerpunkte im Alltag

Manche meiner Patientinnen und Patienten führen nach Abschluss der Therapie ein kurzes Stimmungstagebuch, andere legen sich feste Termine für Bewegung oder soziale Kontakte fest. Was am besten funktioniert, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Entscheidend ist, dass es überhaupt einen Anker gibt, der regelmäßig stattfindet und nicht von der Tagesform abhängt.

Wann ein Rückschritt kein Rückfall ist

Ein schlechter Tag, eine plötzliche belastende Erinnerung, eine Nacht mit Albträumen – das bedeutet nicht, dass die Therapie gescheitert ist. Rückschritte gehören zum Verarbeitungsprozess dazu und sagen nichts darüber aus, ob die Behandlung erfolgreich war. Wer merkt, dass sich belastende Symptome über mehrere Wochen häufen oder deutlich zunehmen, sollte sich allerdings nicht scheuen, wieder Kontakt aufzunehmen. Eine Auffrischungssitzung ist kein Rückschritt, sondern ein sinnvoller Teil der Nachsorge.

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