Eine Panikattacke kommt für die meisten Betroffenen ohne Vorwarnung: Herzrasen, Atemnot, ein Kloß im Hals, das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden oder die Kontrolle zu verlieren. Viele denken im ersten Moment an einen Herzinfarkt oder einen Kreislaufkollaps. Diese Angst vor der Angst ist Teil des Problems – und genau hier lohnt es sich, ein paar Grundlagen zu kennen, bevor der nächste Anfall kommt.

Was in den ersten Minuten hilft

Eine Panikattacke erreicht meist nach wenigen Minuten ihren Höhepunkt und klingt danach von selbst wieder ab, auch ohne jedes Zutun. Dieses Wissen allein nimmt schon etwas von der Dramatik. Hilfreich ist eine bewusst verlangsamte Ausatmung: länger ausatmen als einatmen, etwa vier Sekunden ein, sechs bis acht Sekunden aus. Wer sich zusätzlich auf etwas Konkretes in der Umgebung konzentriert, holt die Aufmerksamkeit weg von den körperlichen Symptomen und zurück in die Gegenwart.

Wichtig ist dabei, die Symptome nicht zu bekämpfen, sondern sie auszuhalten. Der Versuch, die Panik sofort wegzudrücken, verstärkt bei vielen Menschen paradoxerweise die Anspannung. Besser funktioniert eine Haltung des Registrierens: Das ist jetzt Panik, sie fühlt sich bedrohlich an, ist aber nicht gefährlich, und sie geht vorbei.

Wenn Angehörige dabei sind

Für Angehörige ist es oft schwer auszuhalten, jemanden in diesem Zustand zu sehen. Am meisten hilft eine ruhige, wenig fordernde Präsenz: da sein, langsam und klar sprechen, keine Diskussion darüber beginnen, ob die Angst berechtigt ist. Der Satz „Das geht vorbei, ich bleibe bei dir“ wirkt oft mehr als gut gemeinte Erklärungsversuche mitten in der akuten Situation.

Wann aus einer einzelnen Panikattacke ein Thema für Behandlung wird

Eine einzelne Panikattacke, etwa in einer besonders belastenden Lebensphase, ist noch keine Störung im klinischen Sinn. Anders sieht es aus, wenn sich die Attacken wiederholen und daraus eine Angst vor der nächsten Attacke entsteht, die sogenannte Erwartungsangst. Viele Betroffene beginnen dann, bestimmte Orte oder Situationen zu meiden: volle Busse, Aufzüge, große Menschenmengen. Genau dieses Vermeidungsverhalten macht aus einer vorübergehenden Krise ein chronisches Muster.

Verhaltenstherapie setzt genau hier an

In der Behandlung von Panikstörungen hat sich die Verhaltenstherapie bewährt. Ein zentraler Baustein ist die sogenannte Konfrontation: gemeinsam erarbeitete, kontrollierte Situationen, in denen die gefürchteten Körperempfindungen bewusst aufgesucht werden, statt sie zu meiden. So lernt das Nervensystem Schritt für Schritt, dass die befürchtete Katastrophe ausbleibt. Ergänzend geht es darum, die Gedanken zu verstehen, die eine Attacke in der jeweiligen Situation auslösen oder verstärken, und diese Bewertungen zu verändern.

Aus meiner Praxis weiß ich, dass der erste Schritt oft der schwerste ist: sich einzugestehen, dass die Anfälle nicht von allein aufhören, sobald man nur genug Orte meidet. Wer merkt, dass der eigene Alltag durch die Angst vor der Angst kleiner wird, sollte diesen Punkt nicht zu lange hinauszögern. Eine körperliche Abklärung beim Hausarzt vorab ist sinnvoll, ersetzt aber keine Behandlung der Angststörung selbst, wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind.

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